Samstag, 14. Juni 2014

"Siebter Himmel" - Ein Buch- und Designshop in Köln

Nach einer ungewohnt langen Ruhepause auf "Sarahs Welt der Bücher", die ein wenig dem Zeitmangel und unter anderem auch einer sehr schmerzhaften Muskelverletzung im Oberschenkel zu geschuldet war, melde ich mich heute endlich zurück und zwar mit einem Bericht über einen außergewöhnlichen kleinen Laden in Köln.


Am 03. Juni hatte der von Bastei Lübbe unterstützte Buch- und Designshop "Siebter Himmel" zu einem Blogger-Abend geladen und auch ich habe mich - humpelnd, aber voller Vorfreude - auf dem Weg gemacht. Der Shop befindet sich im Belgischen Viertel in der Kölner Innenstadt in einem kleinen, verschachtelten Ladenlokal, das nach Auskunft unserer Gastgeberinnen ehemals aus zwei nun zusammengelegten und kreativ umgestalteten Wohnugen bestand. 


In sieben, thematisch unterschiedlichen Bereichen, die direkt im Eingangsbereich an der Wand schematisch präsentiert werden, bietet der gemütliche und moderen Laden neben Büchern diverses Schönes und Nützliches, von Designerkleidung über Dekoartikel bis zur Kunst. 


Besonders ins Auge fällt die liebevolle Gestaltung und Präsentation der angebotenen Produkte und die individuellen Ideen, die das ungewöhnliche Konzept dieser etwas anderen Buchhandlung abrunden. Dazu zählen eine Wand voller persönlicher Buchempfehlungen, das Telefon zum Kaffee-Bestellen beim netten Kioskbetreiber in der Nachbarschaft, gemütliche Hörbuchecken, die aus den Duschnischen der ehemaligen Wohnungen entstanden sind, ein Paradies für Kinder und gemütliche bis gesellige Sitzgelegenheiten in allen Bereichen, die zum Verweilen einladen.


Zwar kann der "Siebte Himmel" nicht mit der Auswahl großer Buchhandlungen mithalten, besticht dafür aber mit einem Buch-Sortiment, das auch Titel abseits der Bestseller-Erfolge an prominenter Stelle vorstellt, und das exklusive Zusatzangebot und bietet durch die Persönlichkeit des Ladens viele Anregungen. Wie jede andere Buchhandlung bietet der Shop in Köln natürlich auch einen Bestellservice für alle Bücher für den nächsten Tag und verfügt außerdem über einen Online-Shop, zu finden unter:


Außerdem darf ich euch noch eine 10%-Rabattaktion für alle Design-Artikel bekanntgeben.

Zeitraum: 18. bis 21. Juni
Gutscheincode: midsommar

Mir hat der Laden sehr gut gefallen - daher empfehle ich jedem, der die Möglichkeit hat, einen persönlichen Besuch. Ihr findet ihn hier...

"Siebter Himmel"
Brüsseler Straße 67
50672 Köln

Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag
10-19 Uhr


Freitag, 30. Mai 2014

Rezension zu "Die Analphabetin, die rechnen konnte" von Jonas Jonasson



Dem Stil treu geblieben

„Die Analphabetin, die rechnen konnte“ ist nach dem Bestsellererfolg „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ der zweite Roman des schwedischen Autors Jonas Jonasson.

Zum Inhalt: Nombeko, ein Mädchen im südafrikanischen Slum, kann nicht lesen, ist aber im Kopfrechnen jedem überlegen. So schafft sie es raus aus dem trostlosen Armutsviertel, ist am Bau von Atomwaffen beteiligt und gelang über Umwege nach Schweden, wo Zwillinge leben, von denen nur einer existiert – der andere nicht…

Die eindeutig beabsichtigte Ähnlichkeit der Titel, die sich auch in der Covergestaltung wiederfindet, deutet es schon an: In neue Gefilde wagt sich Jonasson nicht vor. Er bleibt seinem Schema aus einer weltumspannenden Handlung über längere Handlungszeiträume treu. Auch an Absurdität steht das zweite Werk dem erfolgreichen Debüt in nichts nach.

Wer den Hundertjährigen mochte, wird in der Analphabetin, verkörpert durch die Südafrikanerin Nombeko, eine Nachfolgerin finden, deren Geschichte stilistisch weder eine Weiterentwicklung noch einen Rückschritt darstellt. Die distanzierte Sprache mit überwiegend indirekter Rede, der auf Missverständnissen und unerwartete Direktheit in skurrilen Situationen beruhende Humor, die Kreativität, die sich in den einzelnen liebevoll erdachten und wie zufällig eingestreuten Figuren verbirgt – die Gemeinsamkeiten beider Romane überwiegen deutlich.

Die intelligente Nombeko selbst ist zwar völlig anders als der naiv-gutgläubige Allan, zu einem „normalen“ Leben verhilft ihr dies allerdings auch nicht. Zwar tangiert ihre Lebensgeschichte nicht annähernd so viele und ebenso bedeutende und bekannte historische Ereignisse und Persönlichkeiten, wie Allans es getan hat, und umfasst auch nicht diesen gewaltigen zeitlichen Umfang von 100 Jahren, mit dem der Debütroman aufwarten konnte, weit herum kommt die Hauptprotagonistin jedoch ebenfalls und zusammen mit den Holgers, Zwillingen, die sich eine Identität teilen, ergeben sich Konstellationen, die – fast – mit einem Elefanten, unfähigen Gangstern und einem Koffer voller Geld mithalten können.

http://www.piratforlaget.se/bocker/analfabeten-som-kunde-rakna/
Dennoch: Obwohl ich den Roman mit Freude und vielen Lachern gelesen habe, ganz erreichen konnte er seinen Vorgänger, den Hundertjährigen, nicht. Ob dies jetzt an der etwas zurückgenommenen weltgeschichtlichen Verwicklung lag, daran, dass Nombeko mit ihrer unschuldig wirkenden und dabei doch oft sehr berechnenden Überlegenheit nicht den Charme des alten Sprengstofffreundes Allan hatte, oder schlicht und ergreifend mit dem Gefühl zusammenhing, nur die zweite Version einer bereits dagewesenen Geschichte zu lesen, kann ich nicht eindeutig sagen. Es war eine Mischung aus jedem dieser Punkte sowie Längen in der Handlung, die das Debüt nicht aufwies, die dazu führten, dass „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ zwar gut, aber doch nicht mehr so überraschend anders und brillant war wie „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Fazit: Wer „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ mochte, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch an „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ Gefallen finden, denn obwohl das zweite Werk nicht ganz so rund wirkt wie das Debüt, überwiegen die Parallelen. Jonas Jonasson bleibt seinem Stil bis in die Details hinein treu. Überzogen skurrile Situationen und ein oft böser Humor zeichnen auch dieses Buch aus und unterhalten denjenigen, der nicht nach Realität und bedingungsloser Glaubwürdigkeit sucht, erneut auf hohem Niveau. Ich vergebe gute 4 Sterne.




Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, mit Schutzumschlag
Originaltitel: Analfabeten som kunde räkna
Erschienen: 15. November 2013
Seiten: 448
Verlag: carl's books
ISBN: 978-3-570-58512-2
Preis: € [D] 19.99


Leserpobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage zum Buch. 




Samstag, 24. Mai 2014

Wünschenswert im Juni: Reihenfortsetzungen (Neuerscheinungen)

Neuer Monat, alte Reihen, die mit neuen Bänden in eine zweite, dritte,..., x-te Runde gehen oder sogar ihr großes Finale feiern.

http://sarahsbuecherwelt.blogspot.de/search/label/W%C3%BCnschenswert

In diesem "Wünschenswert"-Beitrag zeige ich euch Reihenfortsetzungen, die im Juni 2014 erscheinen werden. Für mich selbst ist es in diesem Monat ruhig bei den Reihen. Zwar finde ich einige davon interessant und der ein oder andere Auftakt wartet auch schon auf meinem SuB, aber begonnen habe ich noch keine der im Juni fortgesetzten Reihen.



Für viele sicher eine der Neuerscheinungen - der zweite Band der neuen aktuellen Jugendbuch-Reihe von Bestseller-Autorin Kerstin Gier. Da ich selbst die Edelstein-Trilogie weniger mochte und einfach festgestellt habe, dass die Autorin meinen Humor darin einfach nicht getroffen hat, habe ich auch die "Silber"-Trilogie noch nicht begonnen. Vielleicht kommt das ja noch. Bis dahin haben aber sicherlich viele andere mit dieser Urban-Fantasy viel Freude.

Erscheint am 26. Juni 2014
Gebunden, mit Schutzumschlag - 19.99 € [D]

Inhalt: "Liv ist erschüttert: Secrecy kennt ihre intimsten Geheimnisse. Woher nur? Und was verbirgt Henry vor ihr? Welche düstere Gestalt treibt nachts in den endlosen Korridoren der Traumwelt ihr Unwesen? Und warum fängt ihre Schwester Mia plötzlich mit dem Schlafwandeln an?" (Quelle: FJB)



Auch diesen zweiten Band einer High-Fantasy-Serie finde ich interessant. Im Original hat der neuseeländische Autor diese Reihe "The Moontide Quartet" genannnt und, bei dem Titel nicht schwer zu erraten, auf vier Bände ausgelegt. Dort wird in diesem Herbst der dritte Band erwartet. In Deutschland allerdings entspricht der jetzt erscheinende zweite Band erst der zweiten Hälfte des ersten Bandes des Originals. Es wurde also ähnlich wie bei "Das Lied von Eis und Feuer" ein englischer Band auf zwei deutsche aufgeteilt.

Erscheint am 23. Juni 2014
Klappenbroschur - 15.00 € [D]

Inhalt: "Die Mondflut wirft ihre Schatten voraus, als drei Menschen verzweifelt mit ihrem Schicksal ringen: Ein gescheiterter Magier auf der Suche nach der Wahrheit, eine junge Frau, die sich zwischen ihrem mächtigen Ehemann und ihrem Liebhaber stellt, und eine einstige Attentäterin, die ihr Leben riskiert, als sie sich gegen ihren Auftraggeber wendet. Ohne es zu wissen, lenken diese drei Menschen die Geschicke ihrer Welt. Und als sich die Mondflutbrücke schließlich aus den Fluten erhebt, wird ihr Leben nie mehr sein wie zuvor …" (Quelle: Penhaligon)



Diese High-Fantasy-Reihe möchte ich irgendwann unbedingt noch lesen. High Fantasy ist in Bereich der Jugend-/All-Age-Bücher doch deutlich seltener zu finden als beispielsweise Vertreter der Urban-Fantasy. Dort verstecken sich oft noch viel unverbrauchtere Ideen, die sehr spannend sein können. Insgesamt ist "Falling Kingdoms" auf vier Bände ausgelegt. Der dritte englisch-sprachige Band erscheint Ende des Jahres. 
Morgan Rhodes ist übrigens ein Pseudonym, unter dem die kanadische Autorin Michelle Rowen ihre High-Fantasy-Reihe schreibt.

Erscheint am 17. Juni 2014
Klappenbroschur - 12.99 € [D]

Inhalt: "Dunkle Zeiten sind angebrochen im Reich des Westens. Mit einer blutigen Schlacht hat Tyrann Gaius, König von Limeros, die angrenzenden Königreiche Auranos und Paelsia unter seine Schreckensherrschaft gebracht. Für die junge Cleo, Thronfolgerin von Auranos, scheint die Lage aussichtslos. Während ihr Volk erbarmungslos unterdrückt wird, ist sie eine Gefangene in ihrem eigenen Palast und wird zur Verlobung mit Magnus, Gaius’ kaltherzigem Sohn, gezwungen. Doch in Cleo wächst Hoffnung, denn in ihrem früheren Feind Jonas von Paelsia findet sie unerwartet einen Verbündeten. Gemeinsam fassen sie einen gefährlichen Plan: König Gaius zu töten und die Freiheit zurückzuerobern ..." (Quelle: Goldmann)



Weniger eine Fortsetzung als vielmehr ein Zusatzband zu den beiden Reihen von Cassandra Clare, "Die Chroniken der Schattenjäger" und "Die Chroniken der Unterwelt" ist dieses Buch, das sich ganz der Geschichte der Figur Magnus Bane widmet. Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen Roman, sondern um eine Sammlung einzelner Geschichten, die bereits einzeln als Ebook veröffentlicht und von Clare zusammen mit zwei weiteren Autorinnen, Sarah Rees Brennen und Maureen Johnson, geschrieben wurden.

Erscheint im Juni 2014
Gebunden - 18.99 € [D]

Inhalt: "Tauche ein in die Welt von Magnus Bane! Der schillernde Oberste Hexenmeister von Brooklyn hat ein ereignisreiches Leben hinter sich. Sei es die Französische Revolution in Paris, der Börsencrash von New York oder das frühe London - Magnus war immer dabei und hatte seine funkensprühenden Finger im Spiel. Keine Frage, dass es dabei auch manchmal riskant wird für den vorlauten und lebenslustigen Draufgänger. Wenn man ewig lebt, muss man sich schließlich die Zeit vertreiben, da kommt eine kleine Romanze dann und wann gerade recht. Und wenn eine Situation doch mal zu heiß wird, gibt es ja immer noch den alles verhüllenden Zauberglanz." (Quelle: Arena)



Der Trilogie-Abschluss der "Memento"-Trilogie. Ich habe mir gerade den zweiten Band angeschafft, der erste wartet schon sehr lange in meinem Regal darauf gelesen zu werden. Sicher wird auch der dritte Band noch bei mir einziehen. Ich liebe die Cover - ich gebe es zu. Natürlich klingt die dystopische Trilogie auch inhaltlich nicht schlecht und trotz sehr gemischter Meinungen bin ich wirklich gespannt auf diese Reihe. 

Erscheint am 13. Juni 2014
Hardcover - 16.99 € [D]

Inhalt: "Neun Jahre sind vergangen, seit die Bomben die Erde zerstörten. Im geschützten Kapitol führen die Reinen ein elitäres Leben, während außerhalb die Menschen ums Überleben kämpfen müssen. Partridge kehrt ins Kapitol zurück und übernimmt den Platz seines Vaters, um eine innere Rebellion zu organisieren. Außerhalb kommen sich Pressia und Bradwell immer näher. Sie wollen die Unterdrückung der Reinen ein für allemal zu stoppen, doch dafür sind sie auf Partridge angewiesen. Können Sie ihrem Freund noch vertrauen, oder wird ein neuer Krieg ausbrechen?" (Quelle: Baumhaus)



Auch der dritte Band dieser dystopischen Trilogie erscheint im nächsten Monat. Den ersten habe ich noch ungelesen im Regal. 

Erscheint am 02. Juni 2014
Gebunden, mit Schutzumschlag - ? € [D]

Inhalt: "Kylas Leben ist einmal mehr in größter Gefahr, als Nico einen hinterhältigen Anschlag auf sie ausübt. Auf der Flucht vor dem skrupellosen Anführer von Free UK, der für Kyla inzwischen zu einem unberechenbaren Gegner geworden ist, sucht sie Unterschlupf bei ihren Freunden von MIA. Dort kann sie mit neuer Identität untertauchen und aus dem Blickfeld der Lorder und der Terroristen verschwinden.
Sich in Sicherheit wähnend, kreisen Kylas Gedanken wieder mehr um ihre Kindheit, und Stück für Stück kommen Erinnerungsfetzen an Lucy und ihre Eltern zurück. Als Kyla endlich ihre Mutter kennenlernt, erfährt sie, wer sie als Kind wirklich war. Doch wieso hat ihr Vater sie damals freiwillig den Terroristen übergeben? Und welch dunkles Geheimnis verbirgt sich hinter ihrer Familiengeschichte?
" (Quelle: Coppenrath)


Welche dieser Reihen lest ihr? Auf welche Neuerscheinung bei den Fortsetzungen freut ihr euch am meisten? Welche begeistert euch/könnt ihr mir empfehlen und welche eher nicht?

Freitag, 23. Mai 2014

Neuzugänge: Neue Bücher im April und Mai

Es ist dringend mal wieder Zeit für meine Neuzugänge - die letzten waren Ende März. Bei der Zeitspanne sind natürlich einige neue Bücher zusammengekommen. Wer Lust auf Gerede hat, hier ist ein Video...


Und hier das ganze in Bildern und Worten, mit Links und Klappentexten...

Mittwoch, 21. Mai 2014

Rezension zu "Der Distelfink" von Donna Tartt


 Schöne Sprache, dünner Inhalt

„Der Distelfink“ von Donna Tartt ist ein Roman, der das Schicksal eines Jungen im modernen Amerika mit einem von ihm gestohlenen Gemälde verbindet – in der gebundenen Ausgabe auf 1024 Seiten.

Kurz zum Inhalt: Der dreizehnjährige Theo besucht mit seiner alleinerziehenden Mutter ein Museum in New York, als sich sein Leben auf einen Schlag verändert. Ein Gemälde aus dem Museum, „Der Distelfink“, das er heimlich mitgehen ließ, begleitet ihn von nun an, während er bereits in jungen Jahren den Boden unter den Füßen verliert.

Unter normalen Umständen würde ich den Inhalt klarer anschneiden. Bis zum ersten Wendepunkt der Geschichte, nie mehr als ein guter Klappentext, kurz zusammenzufassen, worum es geht, um dem zukünftigen Leser einen Einblick zu geben, halte ich an sich nicht nur für legitim sondern fast für notwendig. Doch bei diesem Roman fällt mir das schwer, denn der Anfang ist mit seiner Tragik, seinem Tempo und seiner Emotionalität eigentlich schon der beste Teil des gesamten 1000-Seiten-Werkes und, auch wenn dieser Anfang bereits gut 200-300 Seiten umfasst, wird der Klappentext des Verlags dort für meinen Geschmack bereits zu konkret.

Was die Autorin anschließend dokumentiert, ist der Abstieg des jungen Ich-Erzählers Theo, der sich über verschiedene Stationen seines noch jungen Lebens von einer Depression zur nächsten, von einer Trunkenheit zur nächsten und von einem Drogenrausch zum nächsten manövriert und dabei auf Nebendarsteller trifft, von denen kaum eine Entwicklung ausgeht und die in den meisten Fällen eine so sehr gespaltene Persönlichkeit besitzen, dass ihre Undurchschaubarkeit für den Leser zwar auch regelmäßig Überraschungen mit sich bringt und sie als Charaktere spannend macht, sie aber insgesamt auch blass und austauschbar wirken lässt.

Die Autorin verliert den roten Faden ihres Romans – die Verbindung zwischen Theo, der Entwicklung seines Lebens und dem Gemälde als Symbol – zu oft aus den Augen. Theos Geschichte schweift ab und kreist in sich wiederholenden Situationen, die das Lesevergnügen mit der Zeit immer zäher machen. Wenn das Gemälde dann einmal wieder in den Fokus rückt, ist es meist nur für kurze Zeit – lange habe ich darauf warten müssen, dass die Autorin zum längst überfälligen Finale kam. Dieses wirkte dann allerdings zu überzogen und passte weder von der zeitlichen Folge (was für ein Zeitsprung!) noch vom inhaltlichen Rahmen her zum Rest des Romans. Internationale, organisierte Kriminalität und ein überstürzter Gangster-Road-Trip schafften einen eher kitschigen als runden Abschluss. Also blieb der Anfang der inhaltlich stärkste Abschnitt des Distelfinken.

Meine Motivation während des Lesens wurde dabei kurz nach dem starken Auftakt, als ich gerade in der ersten langen, langen Phase aus Drogen und Alkohol festhing und verzweifelt die Spannung suchte, noch einmal deutlich gesteigert: „Der Distelfink“ wurde als Gewinner des renommierten Pulitzer Preises bekannt gegeben. Leider konnte ich aber trotz größter Mühe und größtem Durchhaltevermögen auf den langen, langen 1000-und-ein-paar-Seiten nichts finden, dass mich jetzt befähigen würde, diese Auszeichnung oder den Hype um das Buch nachzuvollziehen. Möglicherweise haben dabei die Erwartungen, die mit der langen Bearbeitungszeit von mehr als zehn Jahren, in denen man nichts von der Autorin hörte, einhergingen sowie der gigantische Umfang des Werkes und die mit Sicherheit vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten Tartts nicht nur mitgewirkt, sondern auch eine größere Rolle gespielt als der eigentliche Inhalt.

Sprachlich ist „Der Distelfink“ wirklich gelungen. So wurde die Lektüre für mich dann auch eher ein Lesen um des Lesens Wille. Schöne Worte aneinandergereiht, auf den Punkt gebrachte Beschreibungen mit einem hervorragenden Gespür für die einprägsamen Details und nicht zuletzt auch die Fähigkeit den jugendlichen Ich-Erzähler und die anderen jungen wie alten Charaktere im Roman (fast immer) glaubwürdig agieren zu lassen, machten „Der Distelfink“ zu einer erzählerisch runden Reise. Wären die schön geschriebenen Dialoge doch nur nicht zu oft inhaltlich leer und die detailreichen Beschreibungen nicht zu oft der Ersatz für einen deutlichen Handlungsfortschritt – der Roman wäre perfekt. So, wie er ist, empfand ich ihn leider als 300 bis 400 Seiten zu lang - der Roman war inhaltlich zu wenig dicht.

Fazit: Pulitzer-Preis-Träger 2014, Bestseller und Auslöser eines Hypes um ein einziges kleines Kunstwerk. „Der Distelfink“ ist der erste Roman von Donna Tartt nach rund zehn Jahren. Sprachlich hat er auch mir sehr gut gefallen, inhaltlich flachte der Roman jedoch nach dem bewegenden Beginn spürbar ab und verlor sich in Wiederholungen, Rauschzuständen und leeren Gesprächen. Theo und sein gestohlener Distelfink waren zu selten gemeinsam im Mittelpunkt des Geschehens. Ich vergebe gute 3 Sterne für einen gut geschriebenen, aber zu langen Roman, der deutlich eher auf den Punkt hätte kommen können.




Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, mit Schutzumschlag
Originaltitel: The Goldfinch
Erschienen: 10. März 2014
Seiten: 1024
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31239-9
Preis: € [D] 24.99

Leserpobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage zum Buch. 






Montag, 19. Mai 2014

Montagsfrage: Meet my SuB - Die Schande in Stapeln...

Heute möchte ich einmal bei der Montagsfrage von libromanie mitmachen...

http://libromanie.de/

PLUS oder MINUS? Habt ihr euren SuB seit Anfang des Jahres abbauen können oder ist er gestiegen?

Zunächst einmal kann ich diese Frage so leicht nicht mehr beantworten, denn schon kurz nachdem ich vor etwas über zwei Jahren zu Anfangszeiten dieses Blogs mit dem Zählen des SuBs angefangen habe, habe ich es auch schon wieder eingestellt. Die Zahlen waren schon gigantisch und stiegen immer nur weiter an - ich fand es erstrebenswerter, Einzelheiten lieber nicht zu kennen. Das macht das Verdrängen einfacher. Und man kann sich auch viel entspannter unwissend und unschuldig stellen, für den Fall, dass mal jemand fragen sollte: "Oh mein Gott. Die sind alle noch ungelesen? Wie viele sind das denn?" - "Keine Ahnung!" [und das ist die Wahrheit] ..."und ich weiß auch gar nicht, wie das so viele werden konnten!" [gut, das ist gelogen].

Na ja, ersteres war die Wahrheit, denn für die Montagsfrage heute habe ich meine - mittlerweile zwei - SuB-Regale ausgeräumt und die Abkürzung "S-u-B" wörtlich genommen: Ich habe Stapel meiner ungelesenen Bücher gebildet. Herausgekommen ist diese wackelige Angelegenheit, die sich an der Lehne meines Sofas und der Wand dahinter abstützen musste. Auf meinen Tisch hat es in einer Reihe einfach nicht mehr gepasst. Einsturzgefahr!


Die aktuelle Zahl der Schande ist

144

Das ist doch eigentlich ene ganz schöne Zahl. Gerade, eine Quadratzahl... ich habe nichts auszusetzen an der 144.
Gestartet bin ich vor langer, langer Zeit, als dieser Blog das Licht der Welt erblickte, also im Januar 2012 mit 80 Büchern. Dann ist er stark gewachsen, durch Aussortieren wieder geschrumpft, war aber schon lange nicht mehr zweistellig - ach, was rede ich lange um den heißen Brei?  

Nie und nimmer ist dieser SuB seit Anfang des Jahres auch nur um ein einziges Buch kleiner geworden! 

Selbst wenn ich mich so ahnungslos stelle, wie ich nur kann, ich kenne meine Neuzugänge und weiß, was ich lese. Bedauerlicherweise liegt mir die Mathematik auch sehr - also, selbst wenn ich absolut nicht nachrechnen möchte, mein Kopf macht im Hintergrund fast automatisch zumindest eine grobe Schätzung.

Wenn ich jetzt sehe, dass ich viele der Bücher unbedingt haben musste, gekauft und getauscht habe, und dann nicht dazu gekommen bin, sie zu lesen, macht mich das schon traurig. Viele habe ich auch gewonnen, andere geschenkt bekommen...und alle stehen sie im Regal und warten. Aussortieren könnte ich jedoch beim besten Willen nicht noch einmal. Ich will die alle lesen! Aber ich bin realistisch: Meine neue Limitierung ist der Platz. Mehr als zwei kleine SuB-Regale sind nicht mehr vertretbar. Ganz abbauen werde ich meinen SuB vielleicht höchstens dann jemals, wenn es plötzlich keine neuen Bücher mehr gäbe - und selbst dann könnte ich ja noch tauschen...

Ich versuche also eher, einen gewisse Bewegung in meinen SuB zu bekommen. Es sollten nicht immer die gleichen Bücher versauern. Ein paar alte runter vom SuB, ein paar neue rauf - idealerweise weniger rauf als runter, aber das Problem mit den Idealen ist nicht ohne Grund häufig ihre Unerreichbarkeit.

Das Gute an der heutigen Aktion war, dass ich ein paar Bücher wieder ausgegraben habe, die ich Ende letzten Jahres eigentlich schon begonnen hatte, dann aber aufgrund von Zeitmangel und allgemeine Leseunlust während meiner ausgeprägten Leseflaute erst einmal zur Seite gelegt hatte. Offensichtlich habe ich es da mit dem "zur Seite" teilweise ein bisschen zu gut gemeint und die Bücher so weit "zur Seite" gelegt, dass sie in Vergessenheit geraten sind. Zeit, den SuB noch einmal neu zu sortieren - auf meinem Sofa kann er ohnehin nicht bleiben, also ist das die perfekte Gelegenheit. 

Meinen SuB zählen oder genau auflisten werde ich aber auch in Zukunft weiterhin nicht. Das ist mir als regelmäßige Beschäftigung bei zu geringem Nutzen zu viel Aufwand. Die Zeit könnte ich immerhin auch mit Lesen verbringen, was dem SuB mehr helfen würde, als das (regelmäßige) Ermitteln seiner genauen Zahl...

Wie sieht den euer SuB aus? Katastrophe oder alles im Rahmen? Seht ihr eine Chance, ihn jemals vollständig abzubauen oder lautet auch eure Devise eher Schadensbegrenzung?


Samstag, 17. Mai 2014

Rezension zu "Ewiglich die Liebe" von Brodi Ashton



Ein würdiger Abschied von den Ewiglichen

„Ewiglich die Liebe“ ist das Finale der „Ewiglich“-Trilogie, einer Urban-Fantasy-Reihe aus der Feder der amerikanischen Autorin Brodi Ashton. Nach meiner großen Begeisterung für „Ewiglich die Sehnsucht“ und „Ewiglich die Hoffnung“ wurde der dritte und letzte Band nicht nur lange herbeigesehnt, sondern die Erwartungen waren auch entsprechend hoch. Findet die Autorin einen würdigen Abschluss für Nikki, Jack und den Ewiglichen Cole?

Bevor ich diese Frage – zumindest für mich – beantworte, vorab einige Worte zum Inhalt:
Nikki ist verzweifelt. Während Cole ihr geholfen hat, Jack aus den Tunneln des Ewigseits zu befreien, hat er sie gleichzeitig hinters Licht geführt. Durch eine List hat er ihr Herz gestohlen, um seine eigenen Pläne in die Tat umzusetzen. Nikki, die die hundertjährige Nährung des Ewiglichen überlebt hat, soll nun selbst zur Ewiglichen werden, die Königin Adonia stürzen und dann an seiner Seite über das Ewigseits herrschen.
Nikki und Jack bereiten sich darauf vor, ihr Herz zurückzubekommen, um ihre Wandlung zur Ewiglichen aufzuhalten, und das Ewigseits ein für alle Mal zu besiegen.
 

Der zweite Band der Trilogie endete mit einem Knall, als Cole nach der gelungenen Rettung von Jack in Nikkis Zimmer erschien und den kleinen Kompass mitnahm. Als er ihr dabei offenbarte, dass es sich bei dem unbekannten Gegenstand um ihr Oberweltherz handelte und er sie während ihres Aufenthalts im Ewigseits ohne ihr Wissen zu einer Ewiglichen gemacht hatte, schockierte das nicht nur Nikki. Auch der Leser wurde von dieser Wendung vollkommen überrascht und, dass er Nikki in eben diesem Moment notgedrungen verlassen musste, weil ihm die Seiten von „Ewiglich die Hoffnung“ ausgingen, kann sicherlich als besonders kluger Schachzug der Autorin betrachtet werden. Durch die starken Emotionen am Ende des zweiten Bandes, der nur wenige Seiten zuvor noch so ruhig und glücklich hätte enden können, wurden diese letzten Momente unvergesslich und die Vorfreude auf den finalen Band vervielfachte sich.

Umso erfreulicher war es jetzt am Beginn des dritten Bandes festzustellen, dass Ashton nicht nur ein starkes Ende sondern auch einen richtig packenden Anfang schreiben kann. Ohne einen nennenswerten Zeitsprung setzt „Ewiglich die Liebe“ genau in dem Moment wieder an, der dem Leser noch so intensiv in Erinnerung ist: In Nikkis Zimmer, wo sie nun - selbst noch schwer erschüttert - Jack einweihen muss. Coles Verrat und der Verlust ihres Oberweltherzens sind direkt wieder präsent, erwecken auch im Leser die intensiven Gefühle des zweiten Bandes wieder zum Leben und fesseln ihn an die Geschichte. Gleich von der ersten Seite an direkt gepackt vom Schicksal der Figuren, fliegt der Roman anschließend nur so dahin. Es gibt kaum Momente zum Durchatmen – in ihrem Finale setzt die Autorin auf höchste Spannung, auf viele Wendungen, die die verzweifelte Situation Nikkis mit jedem Mal noch verstärken, und nicht zuletzt auch auf die ganz großen Gefühle.

Die Liebesgeschichte zwischen Nikki und Jack macht natürlich wieder einen Teil der zentralen Handlung aus, doch obwohl sehr vordergründig bleibt diese zarte, glaubwürdige Beziehung über die gesamte Zeit erfrischend wenig kitschig und drängt sich nie so sehr in den Mittelpunkt, dass sie die Entwicklung der spannenden Geschehnisse um das Ewigseits und Nikkis Schicksal zu sehr überlagern würde. Das durchdachte und dezent mit Elementen der griechischen Mythologie durchzogene Fantasy-Szenario der Parallelwelt der unsterblichen Ewiglichen bleibt im Fokus der Geschichte und glänzt passend zum großen Finale noch einmal mit seiner düsteren Atmosphäre aus Schatten und Grausamkeit kombiniert mit fantasievollem und unwirklich erscheinendem Gelände und eingewobener Magie. Brodi Ashton kann dieses Ewigseits mit ihren bildgewaltigen Beschreibungen und einem insgesamt fantastischen Stil noch einmal aufleben lassen.

Neben Nikki und Jack kommt auch Cole in diesem Roman nicht zu kurz. Den Ewiglichen als reinen Bösewicht zu sehen, fiel mir schon immer schwer; selbst nach seinem unvorstellbar hinterhältigen Verrat gegenüber Nikki konnte ich die Sympathie für ihn nicht völlig ablegen, was mich zugegebenermaßen in einen ziemlichen Zwiespalt brachte. Daher hat mir besonders gut gefallen, dass die Autorin im letzten Band noch einmal sehr genau darauf achtet, die verschiedenen Facetten dieses ambivalenten Charakters zu zeigen. Hinter seiner Coolness, den lockeren, teilweise arroganten Sprüchen und dem ungebrochenen Wunsch, die Macht im Ewigseits zu erlangen, zeigt sich ein Jahrhunderte altes Schicksal, viel Traurigkeit und Einsamkeit. Diese Seite von Cole, wie sie in „Ewiglich die Liebe“ mit viel Gefühl beschrieben wird, rundet diesen Charakter tatsächlich ab, erklärt seine Motivation und lässt den Leser tief hinter die Fassade blicken.

Das Ende, das tatsächliche Ende auf den letzten Seiten des letzten Bandes einer geliebten Reihe, ist – jedenfalls für mich – immer das Schwierigste. Glaubwürdig sollte es sein, zufriedenstellend. Brodi Ashton hat für mein Empfinden die Gratwanderung zwischen Glück, Glaubwürdigkeit, Romantik, einer Spur Melancholie und Abschied punktgenau gemeistert. „Ewiglich die Liebe“ ist nicht nur ein würdiger Abschluss, sondern auch einer, der am Ende noch einmal genau die richtigen, einprägsamen Worte findet, die denjenigen, die die Reihe intensiv verfolgt haben, mit Leichtigkeit in Erinnerung bleiben werden. Gerade von den letzten Seiten war ich, wie auch schon im ersten und im zweiten Band, noch einmal richtig begeistert. Starke Enden schreiben kann diese Autorin ganz sicher und ich würde mich sehr freuen, bald neue Geschichten von ihr zu lesen.

Fazit: Brodi Ashton führt im großen Finale der "Ewiglich"-Trilogie alles zusammen. Spannend wie eh und je entführt sie den Leser ein letztes Mal in die Welt der Unsterblichen. Bildgewaltig, romantisch, berührend - kein Fan der Urban-Fantasy sollte sich diese Trilogie entgehen lassen. Mich hat letzte Band begeistert wie schon die ersten beiden Bände und ich beende diese Trilogie zufrieden - und ein wenig traurig, weil für mich eine der schönsten Fantasy-Liebesgeschichten zu Ende gegangen ist. Wie bereits "Ewiglich die Sehnsucht" und "Ewiglich die Hoffnung" verabschiede ich "Ewiglich - Die Liebe" und damit die gesamte Trilogie mit weiteren 5 Sternen.




 Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
  1. "Ewiglich die Sehnsucht" (Jan. 2012, engl. Original: "Everneath") - meine Rezension
  2. "Ewiglich die Hoffnung" (Dez. 2012, engl. Original: "Everbound") - meine Rezension
  3. "Ewiglich die Liebe" (Mai 2014, engl. Original: "Evertrue")

Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden
Seiten: 352
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7891-3042-7
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Preis: € [D] 17.95

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage